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Handwerk – Große Tarifkommission 2026

Ausbildung stärken, Perspektiven schaffen

Um Ausbildungen im Handwerk in ihrer Attraktivität zu stärken, hat die Große Tarifkommission der CGM neue Leitlinien beschlossen.

Die Tarifpolitik im Handwerk steht vor großen Herausforderungen. Steigende Lebenshaltungskosten, ein zunehmender Fachkräftemangel und die Konkurrenz durch ungelernte Tätigkeiten erschweren es vielen Betrieben, junge Menschen für eine Ausbildung gewinnen und langfristig halten zu können. Vor diesem Hintergrund hat die Große Tarifkommission der CGM auf ihrer Sitzung am 29. September 2026 in Neustadt an der Aisch zwei grundlegende Leitlinien für die künftige Tarifarbeit im Handwerk beschlossen.

  1. Ausbildung muss sich lohnen!
  2. Die Eckentgelte im Handwerk sollen künftig mindestens 25 Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen!

Beide sind Grundsatzbeschlüsse. Die konkrete Ausgestaltung bleibt weiterhin Aufgabe der zuständigen Landestarifkommissionen. Diese können am besten die Besonderheiten der einzelnen Branchen und Regionen berücksichtigen.

Ausbildung braucht Perspektiven

Für die CGM ist klar, wer sich für eine Ausbildung entscheidet, übernimmt Verantwortung für seine berufliche Zukunft und investiert Zeit und Engagement in den Erwerb von Fachwissen. Diese Entscheidung muss sich auch finanziell auszahlen.

In den vergangenen Jahren ist der gesetzliche Mindestlohn kontinuierlich gestiegen. Diese Entwicklung mag zwar aus sozialpolitischer Sicht richtig und notwendig gewesen sein. Gleichzeitig hat sie jedoch dazu geführt, dass sich der Einkommensabstand zwischen ungelernten Tätigkeiten und qualifizierten Facharbeiterberufen deutlich verringert hat.

  1. Ausbildung muss sich lohnen!
  2. Die Eckentgelte im Handwerk sollen künftig mindestens 25 Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen!

Für viele junge Menschen stellt sich daher zunehmend die Frage, warum sie mehrere Jahre in eine Ausbildung investieren sollen, wenn sie auch ohne Berufsabschluss unmittelbar ein vergleichbares Einkommen erzielen können. Die Folgen zeigen sich bereits heute. Immer mehr Schulabgänger entscheiden sich gegen eine Ausbildung oder ein Studium und für den direkten Einstieg in einfache Beschäftigungsverhältnisse. So wächst der Anteil von jungen Erwerbspersonen, die ohne Berufsausbildung sind, seit mehr als zehn Jahren.

Alle Lohngruppen sollen profitieren

Mit ihrer ersten Leitlinie will die Große Tarifkommission genau jene attraktiven Perspektiven für Auszubildende schaffen. Sie setzt ein deutliches Signal für eine ausgewogene Lohnentwicklung in den tarifgebundenen Handwerksbranchen.

Ausbildung muss sich lohnen, sie braucht Perspektiven. Dabei geht es nicht nur um die Ausbildungsvergütung. Ebenso wichtig sind attraktive Perspektiven nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung. Dazu gehören eine sichere Übernahme, ein angemessenes Einstiegsgehalt sowie verlässliche Entwicklungsmöglichkeiten im weiteren Berufsleben.

Künftig sollen deshalb alle Lohngruppen entsprechend der Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns weiterentwickelt werden. Damit sollen bestehende tarifliche Strukturen erhalten und die unterschiedlichen Qualifikationsniveaus auch weiterhin angemessen berücksichtigt werden. Aus Sicht der CGM kann eine starke Tarifpolitik einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Attraktivität handwerklicher Berufe zu erhöhen und damit den Fachkräftebedarf der Zukunft zu sichern.

Fachkräfte müssen sich vom Mindestlohn abheben

Nach Auffassung der CGM wurden in zahlreichen Tarifbereichen in den vergangenen Jahren die unteren Entgeltgruppen zu häufig aufgrund der Entwicklung des gesetzlichen Mindestlohns gestrichen. Dadurch gingen tarifliche Abstände verloren, die ursprünglich die unterschiedlichen Qualifikationen und Anforderungen der Tätigkeiten abbilden sollten.

»Gut ausgebildete Fachkräfte sind das Fundament leistungsfähiger Betriebe.«

Die CGM sieht darin eine gefährliche Entwicklung für das Handwerk. Gut ausgebildete Fachkräfte sind das Fundament leistungsfähiger Betriebe. Ohne ausreichenden Nachwuchs drohen langfristig Fachkräfteengpässe, die sich negativ auf Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Qualität auswirken.

Deshalb fordert die CGM, dass die Ecklöhne der Tarifverträge einen deutlichen Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn aufweisen. Ein Ecklohn, der mindestens 25 Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt, schafft zumindest einen gewissen finanziellen Anreiz für eine qualifizierte Berufsausbildung. Die Große Tarifkommission versteht diese Grenze bewusst als untere Grenze. Wer jahrelange Berufserfahrung hat, erwartet zu Recht, dass er deutlich mehr Einkommen hat als derjenige, der ohne Qualifikation arbeitet.

Beispiel aus dem Metallhandwerk Hessen

Wie stark sich die Verhältnisse verändert haben, zeigt das Beispiel des Metallhandwerks in Hessen. Nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns lag dieser im Jahr 2015 bei 8,50 Euro pro Stunde, Anfang 2017 bei 8,84 Euro.

Der von der CGM vereinbarte Ecklohn betrug im Metallhandwerk Hessen ab August 2016 bereits 13,86 Euro und stieg im August 2017 auf 14,04 Euro. Damit lag der Ecklohn damals rund 60 Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn.

Im Jahr 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro. Der Ecklohn im Metallhandwerk Hessen liegt bei 17,83 Euro. Der Abstand ist damit auf rund 28 Prozent geschrumpft. Dieses Beispiel verdeutlicht, warum die CGM eine Rückkehr zu größeren tariflichen Abständen zwischen Mindestlohn und Facharbeiterentgelten für notwendig hält.

Tarifpolitik mit klarer Orientierung

Die Große Tarifkommission der CGM koordiniert die Tarifarbeit auf Bundesebene und erarbeitet Orientierungshilfen für die Tarifkommissionen in den Ländern. Ihr gehören die Mitglieder des Hauptvorstands, die Vorsitzenden der Landesverbände sowie die Geschäftsführer der CGM an.

Mit den jetzt beschlossenen Leitlinien setzt die Kommission einen klaren Rahmen für die kommenden Tarifverhandlungen im Handwerk: Qualifikation muss sich wieder stärker lohnen, tarifliche Lohnstrukturen müssen erhalten bleiben und handwerkliche Berufe benötigen attraktive Zukunftsperspektiven. Nur so kann es gelingen, genügend junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen und das Handwerk auch künftig als starken Wirtschaftsbereich zu sichern.

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